Archive for the ‘Leben’ Category

Schuld und Sühne

Mittwoch, Juli 28th, 2010
“Wer von euch ohne Schuld ist der werfe den ersten Stein!”Jesus von Nazareth

Der Innenminister des Landes NRW hat einen Zwischenbericht zum Drama der Loveparde in Duisburg vorgelegt. Dem Veranstalter wird die Hauptschuld zugewiesen.

Das ist wahrscheinlich auch zutreffend, denn Einwände der Behörden sind nicht beachtet worden und Auflagen und versprochene Maßnahmen wurden nicht eingehalten. Gleichsam stellt sich aber die Frage, wieso die Behörden dann nicht die Veranstaltung abgesagt haben.

Und damit sind wir an einem Punkt, wie man “Schuld” definieren muss. Ungeachtet strafrechtlicher Relevanz gibt es auch Verantwortung und Moral, an der man schuldig werden kann.

Den Veranstalter trifft mit Sicherheit die Hauptschuld. Er drängte auf Genehmigung, drohte, erzeugte Druck und die Vorschriften und Absprachen hielt er nicht oder nur unvollständig ein. Schaller hantierte mit falschen Zahlen und manipulierte anscheinend.

Der Oberbürgermeister. Adolf Sauerland ist sicher nicht einfach zu bewerten. Unabhängig einer noch nachzuweisender persönlichen Schuld im rechtlichen Sinne hat er die politische Verantwortung zur Gänze und hätte eigentlich zurücktreten müssen. er hängt an dem Job, vielleicht allein noch, um Einfluss auf die Aufklärung der Umstände haben zu können. Fest steht wohl, dass Sauerland unter großem Druck stand, diese Loveparade in Duisburg durchzuziehen. Egal wie. Für das Image Duisburgs, des Ruhrgebiets, der Ruhr 2010. Der stets um ein gutes Image für Duisburg bemühte Mann schoss anscheinend über das Ziel hinaus und ignorierte Sicherheitsbedenken. Dabei müsste er wie jeder Duisburger die Örtlichkeit kennen und die gleiche Skepsis gehabt haben. Müsste, hat er aber wohl nicht. Wie auch immer, es ist dem Druck, dem sich Sauerland selbst ausgesetzt hat und von Dritten verstärkt wurde, geschuldet. Und bei den “Dritten” kommen wir doch zu einer Vielzahl Menschen.

Zum Beispiel der Rat der Stadt Duisburg, der sich vornehm mit Kritik zurückhält. Denn in der Vorbereitungsphase war der Fokus auf das Pekunäre und nicht auf Sicherheit oder Durchführbarkeit gerichtet. Im Gegenteil, aus dem Rat kam einhellig die Aufforderung, die Loveparade durchzuführen. Unbedingt.

Der gebürtige Duisburger Fritz Pleitgen und Dieter Gorny, leitende Personen der Ruhr 2010. Von dort wurde der Druck durch die Forderung nach Durchführung zur Ruhr 2010 erhöht. Eine weitere Absage nach Bochum wäre zu peinlich. Pleitgen hat anscheinend eine Ahnung seiner Schuld – weist aber Verantwortung, natürlich, weit von sich.

Die Landespolitik, allen voran die Regierung Rüttgers und seine Staatskanzlei, die sich ebenfalls massiv einmischte und den Druck nochmals erhöhte – und das wohl auch mit Landesmittel an Duisburg untermauerte. Was keine Steilvorlage für die Opposition sein kann, die ja heute Regierung ist. Sehr massiv forderte die damalige Oppositionsführerin Hannelore Kraft,dass es möglich gemacht werden muss, die Loveparade in Duisburg durchzuführen.

Und sicher auch die Presse, allen voran die WAZ. Die Oberbürgermeisterin von Bochum wurde nach der Absage vorgeführt und in jeder Weise die Loveparade in Duisburg forciert. Kritiker wurden mehr oder weniger als Nestbeschmutzer dargestellt oder gar nicht groß beachtet. Es fand mehr oder weniger eine Hofberichterstattung statt. Das scheint der WAZ so peinlich, dass sie allem Anschein nach einige der Artikel aus dem Archiv von “derwesten.de” entfernt haben. Jedenfalls sind sie nicht auffindbar.

Nun fordern alle den Kopf von OB Sauerland. manchen Zeitgenossen nehmen dass zu wörtlich und drohen mit Mord. Bei aller berechtigten Forderung nach Rücktritt: So kann man mit Sauerland auch nicht umgehen. Denn alle haben sich zu fragen: Habe ich nicht auch dazu beigetragen, dass es in diesem Unglück endete?

Denn durch diesen ganzen Druck wurden diese Fehlentscheidungen getroffen. Unter der Prämisse “Die Loveparade MUSS stattfinden” mündete alles in der Katastrophe an der Karl-Lehr-Straße im Gelben Bogen. Dass hier vielleicht Fehleinschätzungen der Polizei vor Ort oder auch der Ordner folgten ist eventuell Fahrlässigkeit aber zwangsläufig Folge aller vorherigen Fehlentscheidungen.

Sicher wird Sauerland und sein Dezernent Rabe den Hut nehmen müssen. Aber wer ohne Schuld, der werfe den ersten Stein

Die Todesparade

Sonntag, Juli 25th, 2010

Was hat sich Duisburg bemüht, die so beliebte Loveparade auszurichten. Nun ist diese Veranstaltung, die für Liebe und Spass stehen sollte, zu einer Trauerveranstaltung geworden.

Die Verantwortlichen weisen indes alle Schuld von sich und sehen eher die Schuld bei den Ravern, die sich nicht entsprechend verhalten hätten. Sicher, so eine Massenpanik hat oft einen Ursprung, der sich nicht kontrollieren lässt und nicht von Veranstaltern und Sicherheitskräften beeinflusst ist.

Die Fehler sind schon im Vorfeld passiert. Bochum hat aus Sicherheitsgründen die Loveparade abgesagt – Duisburg war sich sicher, die Veranstaltung durchführen zu können. Platz in der 450.000 Einwohner-Stadt für 1-2 Millionen Gäste ist bestimmt irgendwo. Nur nicht da, wo die Loveparade dann stattgefunden hat. Kritik an diesen Ort wurden aber im Vorfeld abgewürgt.

Im Prinzip konnte man bei einer Panik schon auf dem begrenzten Areal des ehemaligen Güterbahnhofs mit Toten rechnen – größer war die Gefahr aber sicher, wie sich ja leider bestätigt hat, der Eingang zum Gelände an der Karl-Lehr-Straße in einem eher schmalen Autotunnel.

Und nun sind aktuell 19 junge Menschen tot und weiter 300 zum Teil schwer verletzt. Dafür werden sich wohl einige verantworten müssen. Der Veranstalter will nie wieder eine Loveparade durchführen. Was sicher auch dem Eindruck der ersten Stunde geschuldet ist. Gleichwohl muss der ganze Vorgang aufgeklärt werden und die Verantwortlichen benannt werden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Staatsanwaltschaft ermittelt - Veranstalter schweigen | RP ONLINE

WM, Politik und so

Montag, Juli 12th, 2010

Ja, die WM ist vorbei, Spanien mehr oder weniger verdient Weltmeister und die einzige Mannschaft, die wirklich überzeugt hat in einer spielerisch sehr schlechten WM, ausgerechnet die deutsche Nationalelf. Für das positive Image, das sich die Mannschaft erarbeitet hat, wird der Trainer Joachim Löw mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. So will es der neue Bundespräsident Christian Wulff.

Und da ist sie, die Schnittmenge von Politik und Sport. Wobei ja schon die Entscheidung, die WM in Südafrika auszurichten, ein Politikum wurde – und die Afrikaner den Befürchtungen Lügen straften. Was bleibt, sind jede Menge Stadien, die in Afrika kein Mensch braucht und immer noch eine ungesunde Infrastruktur.

Aber, mal Hand aufs Herz, ist alles passiert, als die WM gelaufen ist. Es wichtiger war, was Maradonna so von sich gibt als das, was der BP – Chef so nicht sagte. Oder was hat die Regierung so durch gewunken? Eine sozial ungerechte Sache, nämlich die einseitige Belastung durch eine unausgewogene, naja, Gesundheitsreform. Und vieles mehr. Für ein besseres Image hat sich dann Merkel bei den Jungs in Südafrika blicken lassen. Von deren Teamarbeit sich die Regierungsmannschaft übrigens eine Scheibe abschneiden kann. Meint zumindest Bundes-Wulff.

Und in NRW schickt sich mit voller Kraft eine Minderheitsregierung von Rot-Grün eine Politik von Gestern anzugehen. Was auch keinen interessiert. Am Mittwoch schaut man sicherlich genauer hin, ob Kraft im ersten Wahlgang auch alle Stimmen der Koalition bekommt. Spätestens mit der Einbringung des Haushalts wird die Regierung Kraft scheitern. Mal sehen, ob die sich überhaupt bis dahin halten. Vorsichtshalber schiebt man die Schuld an einem möglichen, eher wahrscheinlichen, Scheitern an die Richtung der Opposition.

Größter Knackpunkt wird die Schulpolitik sein. Bislang ist es der SPD in ihrem Wahn von angeblich sozialer Gerechtigkeit das Niveau abzusenken. Allerdings ist es der CDU auch nicht gelungen, in 5 Jahren hier eine Steigerung zu erreichen. Ein weites, vermintes Feld.

::merkur.de (Rheinischer Merkur): 2010_27.Schulkrieg light::

Sozialstaat – Verhorstet, Vergauckt und verwunschener Wulff

Montag, Juni 7th, 2010

Mannomann, was für eine Woche. Ein Präsident begeht Fahnenflucht, weil er Gedanken äußerte, die eigentlich  nur eine neue Denkkultur im Umgang mit dem Einsatz der Bundeswehr einfordert. Und die Opposition sich despektierlich über Hotte äußert. Zu viel für den eher farblosen, aber im Volk beliebten Bundespräsidenten. Und tschüss. Sicherlich auch ein Querschuss für die Regierung Merkel, die Köhler nun wirklich nicht stützten.

Nach all den Querelen der schwarz-gelben Koalition, nach dem abrutschen in der Wählergunst noch ein Tiefschlag. Und Merkel hat nichts besseres zu tun, das Amt des Bundespräsidenten für Parteitaktische Spielchen zu nutzen. Und schiebt lieber einen möglichen Konkurrenten in das Amt ab als die nächstliegende Lösung zu finden. Die hat sich die Opposition geschickter Weise eröffnet: Joachim Gauck. Geschickter Schachzug.

Überschattet wird dieses Drama, nein, diese Tragische Komödie um das Präsidentenamt nur noch von der Sparklausur der Bundesregierung. Im Prinzip: die Reduktion des Sozialstaates auf das Notwendigste. Und auch sonst geht es dem kleinen Mann an den Kragen. Rechnet sich auch besser. Bei 70 Millionen Menschen sparen ist sicherlich einträglicher als bei 10 Millionen ein wenig zu erhöhen. Wo doch sicherlich die armen Reichen bei der höheren Belastung ganz schnell weg sind.

Also, um es kurz zu machen: In Deutschland zieht jetzt endgültig der knallharte Kapitalismus ein. Zumindest, wenn es nach der Bundesregierung geht. Ob das alles klappt? Wird sich zeigen.  Zu befürchten ist, dass was passiert was sich nicht mehr reparieren lässt, unterlassen wird, etwas tragfähiges zu installieren. Und dann noch ein Präsident, der schon beschädigt ist,bevor er gewählt ist.

Sparplan: Schwarz-Gelb stutzt den Sozialstaat - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik

Busfahrer und Fesselspiele

Mittwoch, Mai 26th, 2010

Kevin heißt also das Balg, wegen dem ein Busfahrer seinen Job nach 30 Jahren einwandfreiem Dienst verloren hat. Der Kindesname ist doch Programm.

Sicherlich hat der Busfahrer falsch gehandelt; was er ja auch selbst so einsieht; allerdings hatte der Arme auch keine Chance irgendwas richtig zu machen. Sicherlich hätte er den Bus so lange stehen lassen können bis die Eltern den Kevin abholen (Wahrscheinlich heißt die Mutter “Schantalle” ), dann wären ihm die anderen Eltern aufs Dach gestiegen und er wäre den Job los gewesen, oder aber einfach in voller Fahrt in die Eisen gehen und das Kind durch die Windschutzscheibe schicken (die Methode gefällt mir am Besten, ist aber schon arg radikal) – dann säße er aber bestimmt in U-Haft, der Arme.

Die Vermutung sei gestattet, dass KEVIN, wie der Name schon sagt, aus dem neudeutsch so genannten Prekariat stammt – so sagt man jetzt, damit das Prekariat nicht merkt, dass man über ihn spricht – und damit völlig Bildungs- und erziehungsfern aufwächst. Die Reaktionen der Familie auf den Versuch des Busfahrers, sich zu entschuldigen, legen den Schluss regelrecht nahe.

Da knallen Kulturen aufeinander. Lehrer werden ein Lied darüber anstimmen können. Wenn die Kevins und Chantales und Maiks usw. ihre Show der Unerzogenen abziehen. Und für die Eltern grundsätzlich die Anderen Schuld sind. Besser, um in der Sprache des Prekariats zu bleiben: Die Anderen sind doch in Schuld.

Nun gut, mag sich auch anders darstellen und das arme Kind leidet an ADHS, also der von Psychopath.. Psychologen erfunden Krankheit. Ist natürlich einfacher, Kinder unter Drogen zu setzen als die Ursachen zu behandeln… nämlich Orientierungslosigkeit, Fehlen von Regeln usw. Das gibt es nicht nur im Prekariat. Das kommt in jeder sozial verarmten Familie vor. Oder bin ich  nur altmodisch und beachte die modernen Erziehungserkenntnisse nicht genügend? Ich weiß nicht…

Interview: Busfahrer aus Moers buhlt nicht um Verständnis - Moers - DerWesten

Kraft-Meierei

Mittwoch, Mai 12th, 2010

Erst kam kaum Bewegung in den NRW-Wahlkampf, jetzt herrscht danach Stillstand mit leichten Zucken. Entweder mit der Schulter oder den Mundwinkeln. Beide Möchtegern-Volksparteien gleichauf, starke Grüne, hoffnungsvolle Linke und schwankende Liberale: Hat der Wähler das wirklich gewollt?

Wirklich zum höhnischen, fast verzeifelten Lachen führte die Reaktion von Andrea…äääh, Hannelore Kraft. Von wegen erfolgreiche Aufholjagd, Schwarz-Gelb verhindert, Gutes Resultat….. Ist ja nicht so, dass die SPD mit nochmals 3% weniger als bei der letzten Wahl das schlechteste Ergebnis einer Landtagswahl in NRW seit über 50 Jahren hinlegte. Da hätte Jürgen Rüttgers auch einen Kommentar abgeben können wie: [satire]”Ja gut, minus 10% sind sicherlich viel, aber man muss bedenken, dass 2005 eine Protestwahl war und uns es diesmal nicht gelungen ist, die Protestwähler der SPD, die damals die CDU gewählt haben, zu halten; wobei es der SPD im übrigen auch nicht gelungen ist, diese zurück zu gewinnen; und wir im Vergleich zur Landtagswahl 2000 wesentlich besser dastehen und wir ja durch den Vorsprung von 8000 Stimmen auch einen klaren Regierungsauftrag….”[satireende]. Aber nein, Rüttgers hat die Realität anerkannt und seine Niederlage eingestanden  und wollte sogar die Konsequenzen ziehen - was der CDU-Vorstand wohl ablehnte mit dem Hinweis: Du, Jürgen, hast das Chaos verusacht, du musst jetzt auch aufräumen. Dann darfste gehen.

Nein, Jürgen hat inzwischen den Blick auf die Realität verloren und will weiterregieren; einzige Option ist aber eine Koalition mit der SPD. Da sei aber Kraft vor. Die träumt ganz was anderes und doch so gleich wie Rüttgers. Sie will MP werden. Notfalls mit allem, was da im Landtag NRW so rumkreucht- und fleucht. Selbst die FDP enblödet sich nicht und bietet vorsorglich schon einmal unter bestimmten Umständen die Koalitionsbereitschaft an. Das ist etwa so, als würde ich blutend auf dem Boden liegen und dem Schläger vor mir anbieten, ihn in Ruhe lassen wenn ich gemeinsam mit ihm weiter auf mich einprügeln darf.

Befriedigend und gut ist das Ergebnis der Wahl sicher nicht - aber in etwa dass, was man in den nächsten Jahren erwarten darf. Das Ende der Volksparteien ist eingeläutet. Und damit wird Politik unberechenbarer. Aber vielleicht auch wieder spannend.

Eingelaufen

Freitag, April 30th, 2010

Griechenland Pleite, Ölkatastrophe in den USA – dazu viele gesellschaftliche Unbill wie der Missbrauchsskandal der katholischen Kirche. Insgesamt bietet der April 2010 so einiges – das Normale. Immer schon hört man nur Schlimmes und Katastrophen. Das Gute will  man gar nicht hören. Sondern sich nur am Übel ergötzen.

Jedenfalls fühlt sich das so an. Es gibt Katastrophentourismus. Und das ist ein Phänomen, über das sich jeder aufregt – und natürlich keiner mitmacht. Klar, dass ist dass Pornosyndrom. Niemand macht es, die Zahlen sprechen eine andere Sprache.

Und man selbst? Kann sich kaum vom Bildschirm losreißen von den schlimmen Bildern. Wird man schön süchtig nach diesen Bildern? Bestätigung des negativen Weltbildes?

Irgendwie eingelaufen ist man da. Stumpft ab und nimmt die Tragödien als normal. Und ist froh, dass es einen selber nicht getroffen hat. Hurra, wir leben noch.

Der Machtmenschler wird 80

Samstag, April 3rd, 2010

Junge, wie die Zeit vergeht. Helmut Kohl feiert seinen 80sten Geburtstag – nach den Meldungen über seinen Gesundheitszustand fast schon ein Wunder.

Der Aufstieg von Helmut Kohl ist auch die gemeinsame Geschichte meines Aufstiegs. 1983 habe ich meine heutige Frau kennen gelernt. Und damit begann für mich ein Lebensabschnitt, der mich aus dem Sumpf, in dem ich steckte, in eine komfortable Lebenssituation führte.

Insofern gibt es eine innere Verbindung zu diesem Machtmenschen Kohl, von der dieser natürlich keine Ahnung hat. Und meine innere Verbindung zu ihm ist eher ambivalent.

Ja, ich bekenne: ich habe ihn und die CDU gewählt. Obwohl ich ursprünglich aus einem ganz anderen politischen Bereich komme. Bin inzwischen ja selbst in der CDU; nach seinem Abgang 1998; und zwischenzeitlich auch stellv. Vorsitzender des OV Moers gewesen.

Und da ich ihn gewählt habe durfte ich auch über ihn schimpfen über Dinge, die ich nicht so toll fand. Wobei, gleichsam mit seiner Regierungszeit bis 1989 stotterte auch mein Aufstieg. Es lief nicht alles rund und Kohl schien schon am Ende – da wähnte ich mich auch schon.

Dann aber ist dem Pfälzer Saumagen das Glück in den Schoß gesprungen. Die Ostdeutschen erzwangen die Auflösung der DDR und Kohl machte dies zu seiner eigenen “Gechichte”. Die Ausdauer und das Glück halfen dem Dicken – und auch mir.

Die Wiedervereinigung ist Kohls Meisterstück. Auch wenn es viel Kritik an Details gab und vieles eher zusammen gewuchert denn gewachsen ist: Kohls Geschick und Gespür für das Mögliche sowie sein internationales Netzwerk sorgten für die Zusammenführung der beiden deutschen Staaten.

Ab da kam auch das zum Tragen, was Kohl immer schon umtrieb: den Bau des gemeinsamen europäischen Hauses. Dass es den Euro gibt ist nicht zu Letzt das Verdienst von Helmut Kohls Bemühungen. Trotzdem:

Vieles saß Kohl aus – grade innenpolitische Probleme wie Rente, innere Sicherheit, Sozialhilfe sind keine Wahlkampfknüller. Das führte trotz der, zu spät, in Angriff genommenen Reformen zur Ablösung nach über 16 Jahren Kanzlerschaft 1998 durch Gerhard Schröder. Der im übrigen vieles von Kohl Reformen (800 Mark Jobs bis zur Rentenreform), die er kassierte, wieder in leicht anderer Form einführte.

1998, spätestens, trennten sich auch die Gemeinsamkeiten der “Gechichte” Kohls und mir. Kohl demontierte sein Verdienst durch die Spendenaffäre und seine Ansicht, ein gegebenes Wort zählt mehr als das Recht.

Nichts desto trotz: Im Ausland zumindest weiß man Helmut Kohl zu schätzen, was zu unzähligen Auszeichnungen u.a. geführt hat. Und, nicht zu unterschätzen, zu diesem Blogeintrag. ;)

Also: Alles Gute zum 80. Und bitte nicht zu einem Selbstdarsteller wie dein Vorgänger werden….

Helmut Kohl wird 80: Der Machtmenschler - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik

Anfang und Ende

Mittwoch, März 31st, 2010

Je älter man wird desto lichter werden die Reihen.

Nun ist er zu Ende, der März. Dieser Monat ist dieses Jahr kein schöner Monat. Er fing mit Tod an und endet ebenso. Während Anfang März mehr oder weniger überraschend unser Kater Dexter starb war es jetzt am Ende wesentlich dramatischer. Meine Schwägerin starb nach längerem Kampf an Krebs.

So ein elendiges sterben auf Raten ist eigentlich unwürdig – so einem Tier kann man eine Erlösungspritze geben und das Leiden abkürzen. Bei einem Menschen ist das, jedenfalls hier zu Lande, nicht möglich. Teils aus nachvollziehbaren Gründen. Wobei meine Schwägerin ja eigentlich nicht gehen wollte – lieber sogar noch etwas mehr Zeit hätte haben wollen.

Morgen also wird sie beerdigt. Und wieder ein Mensch weniger auf Erden, zu dem man eine Beziehung hatte. Die Reihen lichten sich und man selbst kommt wieder zum nachdenken über die eigene Endlichkeit.

Das Leben kann ganz schnell vorbei sein. Daher habe ich mir schon angewöhnt, die Dinge, die ich tun möchte, auch zu tun. Das zu machen, was mir gut tut. Und mit meinen Mitmenschen in Frieden zu leben, nichts offen zu lassen. Vielleicht fällt dann das Loslassen leichter.

Der April fängt mit einer Beerdigung an. Hoffentlich endet er schöner.

Wahlkampf NRW

Samstag, März 13th, 2010

Jetzt geht er langsam los, der Wahlkampf in NRW. Die einzige Wahl in Deutschland 2010 ist ja die Landtagswahl in NRW am 9. Mai. Also in gut zwei Monaten. Und es geht nicht nur um die Zukunft der Rüttgers-Regierung.

Was die Wahl in NRW so interessant macht ist die Tatsache, dass ein Ergebnis abseits von Schwarz/Gelb die knappe Mehrheit im Bundesrat stürzt und damit ein “Durchregieren” der Berliner Koalition nicht mehr funktioniert; sowie die Klärung der Frage, ob sich die SPD wieder erholt hat und es tatsächlich schafft, die CDU in NRW zu überholen.

Dabei ist es nicht Verdienst der SPD, so dicht an die CDU  heran gekommen zu sein. Die CDU hat ihr Scherflein dazu beigetragen, mehr noch aber die FDP und ihr Chef Westerwelle. Neben dem leidigen Thema Sponsoring, bei dem die SPD allerdings aus dem Glashaus mit Steinen schmeißt, sind es ja die Äußerungen Westerwelles zu Harzt IV sowie die Steuergeschenke an das Gaststättengewerbe mit leichten Geschmäckle über die Verbindung seines Partners Mronz.

Die SPD tut sich schwer wirklich Kapital aus dieser Schwäche zu schlagen. Der Vorsitzende Gabriel redet mehr Amok ohne Sinn als es der Partei gut tut und die Rüttgers-Herausvorderin Kraft sind anscheinend schon die Sinne geschwunden. Denn anders scheint es kaum erklärbar, dass sie sich zum Thema Harzt IV so geäußert hat wie sie es tat. Und wild zurückrudern muss.

Die CDU konzentriert sich stark auf die Kraftilanti-Kampagne – und wird damit ein Eigentor schießen. Niemand möchte hören wie böse der politische Gegner angeblich ist. Eine hohe Meinung hat der Bürger von seinen Politikern ohnehin nicht.

Was man erwarten könnte: Die CDU trägt mal vor, was sie alles geschafft hat in diesen 5 Jahren, was nicht ganz so gut lief (gefühlte 100 Jahre SPD-Macht in NRW lassen sich nun mal nicht in 5 Jahren wegregieren) und was sie in den nächsten 5 Jahren schaffen möchte und die SPD erklärt halt, was daran Mist ist und wie sie es besser machen wird. Punkt.

Aber da müsste man ja über Inhalte sprechen. Und das geht im Wahlkampf ja nun mal gar nicht.

Wahlkampf: Gabriel rechnet in NRW nicht mit Schwarz-Grün - Politik - DerWesten